„Was bringt ein Studium heute noch?“ – Drei Perspektiven, fünf provokante Gedanken

Was bringt ein Studium heute noch?

Person 1: Lara, 19, Studienanfängerin (Psychologie)
 

Person 2: Cem, 26, Ex-Student (abgebrochen, jetzt in Ausbildung)
 

Person 3: Prof. Dr. Engel, 52, Hochschullehrer für Informatik


 
1. „Ein Studium ist keine Jobgarantie – das war es noch nie.“
 

Cem: „Ich dachte nach dem Abi: Studium = Karriere. Nach vier Semestern Soziologie hatte ich keine Ahnung, wohin das führen soll. Jetzt mache ich eine Ausbildung zum Mediengestalter – und verdiene endlich Geld.“
Prof. Engel: „Richtig. Ein Studium bietet Chancen, aber keine Garantien. Wer kein klares Ziel hat, verzettelt sich.“


2. „Bachelor ist das neue Abitur.“

Lara: „Ehrlich gesagt fühle ich mich unter Druck, gleich den Master zu machen – weil alle sagen, der Bachelor reicht heute nicht mehr.“
Prof. Engel: „Das ist ein strukturelles Problem. Der Arbeitsmarkt erkennt den Bachelor oft nicht als vollwertigen Abschluss an – obwohl er es sein sollte.“
Cem: „Manchmal wirkt das Studium wie eine Warteschleife. Ausbildung bedeutet: Du wirst früher erwachsen.“



3. „Akademiker*innen schuften oft unterbezahlt – und das mit 40.000 Euro Schulden.“

Cem: „Ich kenne Leute mit Studienkrediten und mickrigen Einstiegsgehältern. Während ich mit Mitte 20 schon Rücklagen bilde.“
Lara: „Das ist meine größte Angst: Schulden + unbezahlte Praktika + kein Job danach.“
Prof. Engel: „Der akademische Mittelbau leidet unter unsicheren Verträgen. Nur wenige schaffen es auf Dauer in stabile, gut bezahlte Positionen.“



4. „Studium lohnt sich – aber nur, wenn du es strategisch planst.“

Prof. Engel: „MINT-Fächer, Lehramt, Medizin, IT: Dort gibt es Bedarf und Sicherheit. Wer sich für Geistes- oder Sozialwissenschaften entscheidet, braucht einen klaren Plan – z. B. Nebenjobs, Zusatzqualifikationen, internationale Ausrichtung.“
Lara: „Ich habe früh ein Berufspraktikum gemacht – das hat mir geholfen, meinen Fokus zu finden.“
Cem: „Genau das hätte mir früher jemand sagen müssen.“



5. „Zukunftssicher studieren heißt: Denken in Kompetenzen, nicht in Abschlüssen.“

Prof. Engel: „Technologien ändern sich. Wer heute Java lernt, braucht morgen vielleicht etwas ganz anderes. Entscheidend ist die Fähigkeit zu lernen, kritisch zu denken, mit Unsicherheit umzugehen.“
Cem: „Ich lerne im Betrieb mehr Soft Skills als je in der Uni.“
Lara: „Ich versuche, Skills nebenher zu lernen – Sprachen, Projektarbeit, digitales Arbeiten.“



Fazit:

Ein Studium ist kein Selbstläufer mehr. Es kann ein Türöffner sein – oder eine teure Sackgasse. Wer zukunftssicher studieren will, braucht Orientierung, Selbstreflexion und ein Gespür dafür, wie sich Arbeitswelten verändern. Und manchmal ist der beste Weg eben nicht akademisch – sondern praktisch.  

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